GEOMETRIE

Inhalte rund um die Bereiche ‚Raum und Form’, üblicherweise auch als ‚Geometrie’ zusammengefasst, werden im mathematischen Grundschulunterricht trotz rühmlicher Gegenanstrengungen vielerorts anhaltend ein wenig stiefmütterlich behandelt.

Anders ausgedrückt: Oftmals wird eine Thematisierung im Unterricht zugunsten anderer Inhalte verschoben oder „geopfert“, als reiner Lückenfüller zwischen zwei arithmetischen Blöcken angesehen und selbst im Vergleich zu den diversen Größen hinten angestellt.

Dies ist in vielerlei Hinsicht als inakzeptabel anzusehen.

Geometrische Sachverhalte bieten potentiell vielfältige Chancen zur Ausbildung wichtiger Kompetenzen von Schüler*innen, die nicht nur den Mathematikunterricht, sondern auch andere Unterrichtsinhalte, andere schulische Unterrichtsfächer und die gesamte Lebenswelt von Schüler*innen beeinflussen.

Aufgabenformaten, Themen und Projekten zu ‚Raum und Form’ werden demzufolge äußerst vielfältige und bedeutsame Ansätze zur Kompetenzausbildung zugeschrieben.

 

Eine ‚Stellenbeschreibung’, warum Geometrieunterricht in der Grundschule unterrichtet werden soll und was er alles leisten kann und soll, liest sich dementsprechend umfangreich:

- "Im Geometrieunterricht sollen die Kinder solche Kenntnisse hinsichtlich geometrischer Objekte, Relationen und Operationen erwerben, die in praktischen Zusammenhängen beim Aufsuchen, Beschreiben, genauen Bestimmen oder Darstellen von Sachverhalten in der Umwelt Anwendung finden oder die Voraussetzung für das Verständnis elementarer Zusammenhänge im weiteren Unterricht sind." (1)

 

- "Der Geometrieunterricht sollen Kindern jene grundlegenden Fertigkeiten (etwa im Zeichnen, im Messen, im Lesen von Falt- oder Bauanleitungen usw.) entwickeln, die als sicher verfügbare „Unterprogramme“ beim Lösen inner- wie außergeometrischer, darunter insbesondere auch arithmetischer Aufgaben notwendig sind." (1)

 

- "Im Geometrieunterricht sollen solche Fähigkeiten, Denk- und Arbeitsweisen sowie Gewohnheiten entwickelt werden, die für Tätigkeiten im Geometrieunterricht und die Auseinandersetzung des Kindes mit seiner Umwelt besonders wesentlich sind und die deshalb im Geometrieunterricht besonders effektiv gefördert werden können. Dazu gehören insbesondere:

- Die Fähigkeit, Geometrisches aus umweltlichen Situation (sic!) zu gewinnen und umgekehrt geometrische Sachverhalte auf die Umwelt zu beziehen, zu „geometrisieren“

- Die Fähigkeit, Geometrisches in umweltlichen Situationen zu entdecken (und damit Abstraktionen zu konkretisieren)

- Die Fähigkeit zur Vorstellung geometrischer Objekte und Relationen nach Beschreibungen

- Die Fähigkeit zur Analyse und Beschreibung geometrischer Objekte

- Die Fähigkeit, von ebenen Darstellungen auf räumliche Objekte und deren Eigenschaften zu schließen

- Die Fähigkeit zu sachbezogener Argumentation

- Die Fähigkeit zu kreativem Verhalten

- Die Gewohnheit zu planmäßigem Verhalten etwa beim Analysieren eines geometrischen Objekts, einer Skizze oder einer Zeichnung" (1)

 

- "Der Geometrieunterricht soll die Kinder zum Anwenden ihres geometrischen Wissens und Könnens befähigen. Sie sollen es lernen, insbesondere ihre Umwelt „mit den Augen der Geometrie“ zu betrachten und zu beobachten, geometrische Figuren und Zusammenhänge in der Umwelt zu erkennen, gegebenenfalls merkmalsrelevante Eigenschaften mittels geeigneter praktisch - gegenständlicher Tätigkeiten zu prüfen und auf der Grundlage dieser Erkenntnisse die Umwelt vereinfacht unter Nutzung von Modellen, Zeichnungen oder Skizzen zu beschreiben und zu rekonstruieren." (1)

 

Diese Ausführungen verdeutlichen, welches Potential in den vielfältigen geometrischen Sachverhalten stecken kann und wie sehr hier ein Zusammenwirken von Bereichen wie Kognition, Wahrnehmung, Motorik u.a. gefordert wie gefördert wird.

Ausnahmsweise soll an dieser Stelle –und ohne Grund nicht genau bei genau dieser Problembeschreibung- an körperliche/ physiologische Voraussetzungen von Schüler*innen erinnert werden. Eine diesbezügliche Einschränkung erschwert geometrisches Lernen enorm, weshalb auch diesem -in Klassenarbeiten und Tests oft weniger beachteten Feld- große Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.

 

Um sowohl Eltern als auch Lehrer*innen ins Gedächtnis zu rufen, welche Themenfelder im Geometrieunterricht der Grundschule behandelt werden können und um auf konkrete Tipps überzuleiten, erfolgt hier eine entsprechende Liste:

 

- räumliche Lagebeziehungen (Begriffe wie links, rechts, über, unter, vor, hinter, neben etc.) und Ansichten

- Formen (zweidimensional: Quadrat, Rechteck, Dreieck, Kreis etc.)

- Körper (dreidimensional: Würfel, Quader, Pyramide, Kugel etc.)

- Körpernetze

- Soma-Würfel

- Streichholzaufgaben

- Parkette, Ornamente, Muster: legen, malen, fortsetzen etc.

- Tangram

- (Achsen-)Symmetrie, Spiegelachsen

- Arbeit am Geobrett

- Umfang

- Fläche

- Vergrößern und Verkleinern

- Falten

- Zeichenkurs samt Vokabular: Strahl, Gerade, Strecke, Parallele, Senkrechte etc.

- Nutzung von Lineal, Geodreieck, Zirkel, Spiegel

- …

 

 

Zum Abschluss kann festgehalten werden, dass viele der genannten geometrische Themen von Schüler*innen geschätzt werden bzw. ihnen vergleichsweise viel Freude an mathematischen Sachverhalten bereiten.

Auffällig wird dies immer wieder an entsprechenden Aussagen von Schüler*innen: „Müssen wir jetzt wieder richtiges Mathe machen? Schade!“

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Quellennachweis:

(1) https://www.mathematikus.de/fileadmin/mathematikus_content/Dokumente/4_Geo_in_der_GS.pdf

(2) https://www.forrefs.de/media/ntx/auer/sample/06663_Musterseite.pdf

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