GRÖSSEN/ HOHLMASSE

Lernschwierigkeiten hinsichtlich der mathematischen Größen (Geld, Zeit, Längen, Gewichte, Hohlmaße) sind im Gegensatz zu anderen schulischen Problemen von Schüler*innen für Lehrer*innen und Eltern gleichermaßen oftmals nicht unmittelbar zum Schulstart ersichtlich.

Ein Grund hierfür liegt in der oft gängigen Praxis, die fünf Themen nicht immer wieder und in vielfältigen, authentischen Situationen des Unterrichts zu thematisieren, z. B. im Sinne von

- Der Theaterbesuch kostet pro Kind 4 €. Es sind 22 Schüler*innen in der Klasse.

- Es ist jetzt 10 Uhr. In wie vielen Stunden ist Schulende?

- Wer hat bei den Bundesjugendspielen am weitesten geworfen? Wie weit ist das von hier aus ungefähr?

- Du wiegst mit Schulranzen 28 kg, mit deinem Schulranzen 32 kg.

- Wir backen einen Kuchen und brauchen dafür 750 ml Milch

 

Stattdessen werden die einzelnen Größenbereiche stellenweise immer noch in isolierten bzw. zeitlich klar eingegrenzten Einheiten behandelt (Die nächsten beiden Wochen behandeln wir das Thema Uhrzeit.), im restlichen Schuljahr dagegen nicht mehr oder kaum noch.

Einübungen, Vertiefungen, Transfer bzw. neue Zusammenhänge werden dadurch mehrheitlich nur in Ansätzen erzielt; es wird ein großes Potential verschenkt.

 

Argumente für ein derartiges Vorgehen orientieren sich in der Regel am vorgegebenen Aufbau des Mathematik-Lehrwerks und/ oder der Tatsache, dass eine vertiefende Behandlung von Gewichten oder Hohlmaßen nur ab der Einführung des Zahlenraumes bis 1000 (Der Schulranzen wiegt 3 kg und 810 g. oder In die Plastikflasche passen 500 ml.) sinnvoll sei.

 

Schule und Elternhaus verbinden könnten und sollten frühzeitige Gespräche über die dem Kind in der Situation gerade begegnete Größe (Was ist eine Sekunde?) sowie möglichst passgenaue Vergleiche (Wie lang dauert das ungefähr?), sogenannte Repräsentanten.

 

Wir haben uns dazu entschlossen an dieser Stelle zu jedem der fünf Größenbereiche sogenannte Repräsentanten zu benennen, die Schüler*innen helfen sollen einen möglichst passenden und bestmöglich bekannten, im Alltag des Kindes verwurzelten Vergleich heranzuziehen.

Es ist jedoch entscheidend, dass die Schülerin/ der Schüler sich auch tatsächlich auf den Vergleich stützen kann, diesen kennt, ihn einschätzen kann.

Ein Repräsentant in der Richtung 1 l passt in einen Milchbeutel ist nur dann hilfreich, wenn das Kind tatsächlich mit Milchbeuteln und nicht z.B. ausschließlich mit Milchflaschen vertraut ist.

 

 

Für das Themengebiet HOHLMASSE wären z.B. folgende Repräsentanten zu wählen (vgl. 1 & 2 & 3):

 

1 Milliliter (1ml) passen in 1 kleinen Wassertropfen.

10 Milliliter (10 ml) passen in ein kleines Medizinfläschchen.

100 Milliliter (100 ml) passen in ein Trinkpäckchen.

200 Milliliter (200 ml) passen in ein kleines Glas.

400 Milliliter (400 ml) passen in ein großes Glas.

500 Milliliter (500 ml) passen in eine kleine Colaflasche.

750 Milliliter (750 ml) passen in eine Wasserflasche aus Glas.

1 Liter (1 l) passt in einen Milchbeutel oder eine große Saftflasche.

5 Liter (5 l) passen in einen kleinen Wassereimer.

10 Liter (10 l) passen in einen großen Wassereimer.

200 Liter (200 l) passen in eine Badewanne.

 

 

Noch drei Bemerkungen zum Themenbereich HOHLMASSE:

- Es lohnt das Aufzeigen der Vergleichbarkeit zwischen Gewichten und Hohlmaßen: 100 Gramm sind so schwer wie 100 Milliliter Wasser, 1 Kilogramm ist so schwer wie 1 Liter Wasser, 10 Kilogramm sind so schwer wie 10 Liter Wasser etc.

- Bitte Vorsicht bei möglichen Variationen von Packungsgrößen!

- Wenn Erfahrungen mittels des Umschüttens von Flüssigkeiten gesammelt werden, ist eine etwaige gleichzeitige Veränderung mehrerer Gefäßdimensionen (Höhe und Breite) stets zu beachten!

 

 

Alltagserfahrungen und Vorkenntnisse sind im Bereich des Lernens von Größen eh zentrale Begriffe. Je mehr Kinder während oder schon vor ihrer Schulzeit mit Geld, Zeit, Längen, Gewichten oder Hohlmaßen in Berührung gekommen sind, desto einfacher fällt es ihnen an schulischen Inhalten anzudocken. Wer schon des Öfteren morgens mit Geld Brötchen kaufen war und Wechselgeld wieder abgeben musste, wer eine eigene kleine Armbanduhr besitzt, wer mit Mama die Breite des Kleiderschranks ausgemessen hat, wer das eigene Gewicht kontrolliert oder wer mit Papa Nudelwasser abmisst, diese Kinder besitzen ein unschätzbares Fundament an Wissen, auf dem die schulische Arbeit dann –in aller Regel- leicht aufbauen kann.

Dies ist etwas, was jedes Elternteil seinem Kind relativ einfach bieten kann.

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Quellennachweis:

(1) https://www.ph-ludwigsburg.de/fileadmin/subsites/2e-imix-t-01/user_files/personal/krauter/kurse/WS_05_06/Pruefungsseminar/Groessen.pdf

(2) https://www.uni-due.de/imperia/md/content/didmath/ag_jahnke/baltes/intern/folien3_mgs.pdf

(3) https://pikas-mi.dzlm.de/inhalte/gr%C3%B6%C3%9Fenvorstellungen-geldbetr%C3%A4ge-vergleichen-und-darstellen/einstieg-0/hintergrund-1

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