SACHAUFGABEN/ TEXTAUFGABEN

Gleich vorab:

 

Was genau eigentlich eine Sachaufgabe ist, was genau unter das Sachrechnen im Mathematikunterricht fällt, ist auch unter Lehrer*innen nicht genau definiert bzw. wird sehr daher unterschiedlich ausgelegt.

Wir wollen uns hiermit auch nicht lange aufhalten, können jedoch einerseits festhalten, dass Sachaufgaben als zentraler Oberbegriff und dementsprechend Textaufgaben als Unterbegriff zu betrachten sind.

 

Andererseits möchten wir für Interessierte eine Liste an Themenfeldern anbieten, was alles zu dem breiten Themenfeld Sachaufgaben gezählt werden kann (vgl. 1):

 

- Reale Phänomene: die direkte Umwelt bietet Anregungen zu einer mathematischen Auseinandersetzung (z.B. Materialien des Klassenraums, des Kinderzimmers, des Spielplatzes etc.)

- Authentische Materialien und Rollenspiele damit (Einkaufszettel, Fahrpläne, Preistabellen etc.)

- Sachbilder/ Bildaufgaben

- Bild-/ Textaufgaben (Mischformen wie beispielsweise Poster, Diagramme, Kalender etc.)

- Textaufgaben (Varianten: Eingekleidete Aufgaben, Denkaufgaben, Kapitänsaufgaben, Textaufgaben ohne Frage etc.)

- Rechengeschichten

- Sachtexte

- Projekte (authentische Anlässe, z.B. Schulfest, Ausflug in den Zoo etc. nutzen)

 

All diese Punkte stellen spannende Ausgangspunkte für mathematische Gespräche, Diskussionen, Rechnungen und (hoffentlich) Lösungen dar.

 

Wir würden jedoch behaupten, dass in einem empirisch untersuchten Grundschulmathematikunterricht einige dieser Angebote kaum bis gar nicht auftauchen, sich die reale Nutzung der Vielfalt auf nur wenige dieser Möglichkeiten beschränkt.

Weiterhin würden wir behaupten, dass mit Blick auf Tests und Klassenarbeiten immer noch die klassisch-traditionelle Form der reinen Textaufgabe (mit Abstand) dominiert.

 

Warum auch nicht?

Man schreibt einen kurzen, fiktiven Text, in den eine mathematische Anregung eingekleidet ist. (Dies kann mitunter nur ein Satz sein!)

Man legt diesen Text den Schüler*innen vor.

Diese sind hiermit (mehr oder weniger explizit) aufgefordert die inhärente mathematische Fragestellung herauszulösen und auch als Frage aufzuschreiben.

Anschließend sollen sie aus der Frage heraus eine dazu passende Rechenaufgabe konstruieren und diese korrekt lösen.

Abschließend sollen sie dann die eingangs selbst formulierte Frage in einem Antwortsatz beantworten.

 

Ein Beispiel:

 

Tom hat 6 Plätzchen in seiner Brotdose.

Seine 5-jährige Schwester Nina hat 4 Plätzchen.

 

Erwartungshaltung:

FRAGE: Wie viele Plätzchen haben sie zusammen?

RECHNUNG: 6 + 4 = 10

ANTWORT: Tom und Nina haben zusammen 10 Plätzchen.

Die nachfolgende Ausführung soll einige Anforderungen aufzeigen, die für viele Schüler*innen mit genau dieser Textaufgabe verbunden wären:

- sinnerfassendes Lesen des Textes (Verstehe ich, was da steht? Wortschatz! Was ist ein ‚Plätzchen’? Was ist eine 'Brotdose'?)

- Unterscheidung von Wichtigem und Unwichtigem (Namen, Alter der Schwester, Ort der Aufbewahrung etc.)

- bestmöglich Umsetzung der Vorgaben in eine Skizze – wie von der Lehrperson empfohlen

- Entwickeln eines Verständnisses, was man hier mathematisch-operativ Sinnvolles ausrechnen könnte – Was könnten Tom und Nina nun vielleicht wissen wollen?

- evtl. Abwägen von Alternativen (Warum nicht: Wie viele Plätzchen hat Tom mehr/ Nina weniger?)

- Aufschreiben der passenden Frage samt richtiger Rechtschreibung und Grammatik

- Wahl der Rechenart

- Aufschreiben einer zur Frage passenden Rechenaufgabe

- Ausrechnen der zur Frage passenden Rechenaufgabe, ggf. Kontrolle

- Aufschreiben einer auch wirklich zur Frage passenden Antwort unter Einbeziehung der mathematischen Lösung der Rechenaufgabe sowie unter Berücksichtigung korrekter Rechtschreibung und Grammatik.

- (bestmöglich) Kontrolle der gesamten Textaufgabe

 

 

Kein Wunder, dass diese Art der Herangehensweise an mathematische Sachverhalte in seiner vermeintlich einfachen Form, doch –wie hoffentlich gezeigt- schwierigen Ausführung viele Schüler*innen (komplett) überfordert.

 

 

Oben stehende Tipps und Anregungen sollen Schüler*innen helfen Sachaufgaben besser zu begegnen.

Wir vermuten, dass sich diese auf die ausgeführte Form der reinen Textaufgaben konzentrieren werden, würden uns aber auch über die Berücksichtigung der anderen Möglichkeiten (s.o.) freuen.

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Quellennachweis:

(1) https://www.juergen-roth.de/lehre/skripte/did_grundschulmathematik/Did_GS_II_Sachrechnen_1_Typen_von_Sachaufgaben.pdf

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