LESEN/ SINN ENTNEHMENDES/ ERFASSENDES LESEN

Die oben angeführten Beispiele von Eltern machen recht gut deutlich, welchen Schwierigkeiten eine Vielzahl an Schüler*innen in ihrem (schulischen) Alltag begegnet. Schwierigkeiten, die in ihrer Abfolge nahezu stets gleich beschrieben werden können:

 

- Ein Text wird von dem betroffenen Kind oder Jugendlichen (laut oder leise) vorgelesen, erlesen, gelesen.

- Ein anschließendes Gespräch mit der Schülerin/ dem Schüler, Kontrollfragen oder ein darauf folgender schulischer (Diagnose-)Test zeigen dann jedoch, dass nur wenig vom Inhalt des Gelesenen, von dessen Sinn erfasst wurde.

Es kann von den Schülerinnen und Schülern lediglich wenig wiedergegeben, es können nur wenige der im Text stehenden Informationen aktiv genutzt oder angewandt werden.

 

 

Vereinfacht könnte man ausdrücken, dass bei Kindern, die gerade das Lesen lernen, beim Lesakt an sich noch allzu viel Energie in Aktionen rund um die Laut-Buchstabenzuordnung im Rahmen der Lesetechnik gesteckt werden muss (Wie spreche ich den Buchstaben aus? Wie spreche ich das Wort beim Lesen richtig aus?) und deshalb (deutlich) weniger Aufwand für den Inhalt des Gelesenen (WAS steht denn da eigentlich?) betrieben werden KANN.

Auch erschweren Lücken im Wortschatz das Verstehen von Texten - das ist bei Kindern und Erwachsenen gleich. (vgl. 1)

Das Problematische ist jedoch in der Tatsache zu sehen, dass auch ältere Kinder und Jugendliche (anhaltende) Schwierigkeiten haben können Bedeutungen des Gelesenen zu erfassen, Inhalte eines Textes (für sich) zu nutzen.

Der Schock nach der ersten PISA-Studie, einer länderübergreifenden Vergleichsstudie von Schulleistungen von Schüler*innen, im Jahr 2000 war groß, als genau dies belegt wurde und ferner nur allzu deutlich zu sehen war, wie weit Deutschland im internationalen Vergleich den Spitzenplätzen hinterherhinkte. (vgl. 2)

BILD-Zeitungsüberschriften wie „Jeder fünfte 15-jährige kann kaum lesen“ (3) greifen bis heute diesbezügliche Phänomene, diesbezügliche Probleme nur allzu gerne und reißerisch auf – und haben doch einen sehr wahren und traurigen Kern.

Bereits in den frühen Jahren des Schriftspracherwerbs und des sogenannten weiterführenden Lesens werden Grundlagen für ein erfolgreiches sinnerfassendes oder sinnentnehmendes Lesen gelegt. „In der Zeit des Erstlesens steht die Technik des Worterkennens, in der Regel mit lautem Artikulieren verbunden, im Vordergrund. Später aber erlaubt das stille und schnellere Lesen eine größere Konzentration auf das Sinnverständnis und eine distanziert-kritische Haltung zum gelesenen Text.“ (4)

So zumindest der Idealzustand.

 

 

Lesen ist aber mehr als die reine Aussprache eines Wortes, einer Anhäufung an Buchstaben. „Erst das Bedeutungserlebnis gibt dem Leseakt Sinn und Abschluss. Solches Bedeutungserlebnis kann aber nicht angehängt werden, sondern muss von Beginn an intendiert sein.“ (5)

 

Ist dem im schulischen und/ oder familiären Werdegang indes nicht oder nur unzureichend der Fall, stehen Schülerinnen und Schüler vor weit reichenden Schwierigkeiten.

Weit reichend, weil das sinnerfassende bzw. sinnentnehmende Lesen von Texten eine Art Schlüsselkompetenz darstellt, die nahezu sämtliche Bereiche, fast alle Fächer der Schule berührt.

Auch in Mathematik kommt man ohne Informationen aus Texten (Arbeitsanweisungen, Erklärungen, Sachaufgaben, klassische Textaufgaben etc.) nur sehr schwer und in seltenen Fällen ans Ziel.

 

Auswirkungen dieser Schwierigkeit auf die außerschulische Lebenswelt verstehen sich von selbst, ebenso auf eine an die Schule anschließende berufliche Ausbildung.

 

Insofern sollte es für Lehrer*innen, Eltern und Schüler*innen selbst eine Pflicht darstellen an den Leistungen rund ums sinnerfassende Lesen zu arbeiten, entsprechende Kompetenzen zu stärken und zu erweitern.

Wir möchten Ihnen hierfür oben stehende Anregungen und Praxistipps an die Hand geben.

________________

Quellennachweis:

(1) https://www.grundschule-arbeitsblaetter.de/deutsch/sinnerfassendes-lesen/

(2) https://de.wikipedia.org/wiki/PISA-Studien

(3) https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/pisa-studie-2019-deutsche-schueler-bekommen-mieses-zeugnis-66435812.bild.html

(4) https://lernarchiv.bildung.hessen.de/grundschule/deutsch/lesen_rezipieren/lesen/lese-infos/Lese_Info_7.pdf/details/

Social Media

Kontakt

Anregungen, Fragen, Kritik?

E-Mail

Lernnavigatoren@gmx.de

Lernnavigatoren.de