SONSTIGE/ MEDIENKONSUM

Bin ich mit meiner Lernschwierigkeit/ meinem Schulproblem hier richtig?

- „Sie sitzt den ganzen Tag nur vor dem/ ihrem Fernseher.“

- „Mein Kind hat ein Handy, weil alle anderen eines haben – und ich nicht möchte, dass er als Außenseiter aufwächst.“

- „Ich weiß, das Spiel ist eigentlich für Ältere, aber er macht es halt so gerne.“

- „Da trudeln WhatsApp-Nachrichten bis spät in die Nacht ein.“

- „Mit Handy, Tablet oder Computer kann man aber auch toll üben und lernen. Es motiviert sie sehr.“

- „Ich möchte nicht, dass sie alles Mögliche im Internet zu sehen bekommt.“

- „Bei einer schlechten Note bekommt er Handy-Verbot.“

Tipps der Lernnavigatoren

Weitere Informationen zum Thema:

Kaum ein anderes Thema dieses Projekts rund um Schul- und Lernprobleme dürfte sich als so emotionsgeladen, so vielschichtig und deshalb auch so schwierig zu beurteilen darstellen wie das rund um (Digitale) Medien und Medienkonsum.

Diesbezügliche zentrale Aussagen zu formulieren und diese knapp und übersichtlich zu präsentieren, stellt eine Aufgabe dar, die wir bereits vorab als ‚nicht zufriedenstellend’ charakterisieren würden.

 

Nichtsdestotrotz ein Versuch:

 

- (Digitale) Medien sind im Alltag von Kindern und Jugendlichen fast ausnahmslos (stark) vertreten und beeinflussen ihr Verhalten – zum Beispiel ihr Konsum-, Freizeit-, Sexual- oder Lernverhalten.

- (Digitale) Medien werden von der großen Mehrheit an Kindern und Jugendlichen gerne genutzt.

- (Digitale) Medien werden selbstverständlich in unterschiedlich starkem Umfang genutzt.

- Sowohl der Besitz entsprechender (Digitaler) Medien als auch ihre täglichen Nutzungszeiten haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten partiell stark verändert – in aller Regel erhöht.

- Mit steigendem Alter scheint in aller Regel eine weiter steigende Fokussierung auf (Digitale) Medien stattzufinden (hierzu empfehlen wir u.a. die Vergleiche der Ergebnisse der regelmäßig erhobenen KIM- und JIM-Studien des MPFS).

- Die Nutzung (Digitaler) Medien führt ohne hochwertige Ansätze der Ausbildung von Medienkompetenzen, ohne (digitale) Gebrauchsanleitungen, ohne Austausch und Kontrolle im schulischen wie häuslichen Umfeld höchstwahrscheinlich zum Zugang zu nicht altersgerechten Inhalten und Missbrauch.

- Auch im schulischen Bereich wird mehrheitlich eine zunehmende Digitalisierung von Unterricht und Lernen propagiert, welche (stellenweise schon) mit entsprechenden Ressourcen unterstützt wird.

- (Schulbuch)Verlage orientieren sich gerne an dieser digitalen Entwicklung und präsentieren inzwischen zuhauf digitale Schulbücher, Übungsformate und Lehrermaterialien etc.

- Gesellschaftliche Umstände wie die Corona-Krise forcieren eine Reflexion über den Einsatz digitaler Medien im Rahmen schulischen Unterrichts.

- Alle am System Schule beteiligte Parteien müssen in ihrer jeweiligen Medienkompetenz gestärkt werden.

- Eine (weitere) Digitalisierung unserer Welt ist wahrscheinlich.

 

 

Die Tatsache, dass wir den Punkt (Digitale) Medien/ Medienkonsum mit in unser Projekt integriert haben, dürfte von vielen Seiten, von vielen unserer Leser*innen jedoch hinterfragt oder offen kritisiert werden.

 

Warum dürfte dies so sein?

 

Uns sind nicht viele weitere Themen bekannt, die auch in der Öffentlichkeit so breit, so emotional, so kontrovers, aber auch so (faktisch) falsch diskutiert wurden.

Uns sind nicht viele weitere Themen bekannt, bei denen die empirische Datenlage, die Ergebnisse aus Forschung und Lehre so unterschiedlich interpretiert, vorgebracht und instrumentalisiert wurden.

Uns sind nicht viele weitere Themen bekannt, bei denen man sich selbst so hoffnungslos überfordert sieht und deshalb eher dazu neigt einem „Bauchgefühl“ zu folgen als einer angeblich seriösen Studie, die kurz nach Veröffentlichung von anderer Seite relativiert oder gar gänzlich zerrissen wurde.

 

Die eine oder der andere mag sich vielleicht an den Auftritt des Psychiaters und Neurowissenschaftlers Manfred Spitzer im Polittalk bei ‚Anne Will’ erinnern.

Während Spitzer immer und immer wieder auf vermeintlich seriöse Forschungsergebnisse rund um seine deutlich medienkritischen Publikationen „Digitale Demenz“, „Vorsicht Bildschirm!“ oder „Cyberkrank!“ verweisen wollte und dabei sehr leidenschaftlich die Seite des warnenden Zeigefingers verkörperte, gelang den anderen Gästen eine augenscheinlich objektivere und besonnene Auseinandersetzung mit dem Gegenstand.

 

Ob (Digitale) Medien Fluch oder Segen darstellen, welche Langzeitfolgen bei welchen Nutzungsformen auftreten, inwieweit sie auch das schulische Lernen von Schüler*innen eher fördern oder behindern, all dies und noch viel mehr vermögen wir mit unserer (Medien-)Kompetenz nicht adäquat einzuschätzen.

 

Grob gesagt hoffen wir aber auf

- interessierte, offene, medienkompetente Kinder und Erwachsene.

- einen reflektierten Einsatz, eine reflektierte Nutzung der (Digitalen) Medien in sämtlichen Lebensbereichen.

- einen besonnenen Einsatz in den Familien – eingebunden in Gespräche, Konzepte und klare Leitlinien einschließlich klarer Verbote.

- Eltern, die sich bei ihren Vorstellungen bezüglich der familiären Mediennutzung auch tatsächlich durchsetzen.

- schulische Medienkonzepte, die an einer individualisierten Mediennutzung ansetzen sowie Chancen und Grenzen der (Digitalen) Medien gleichermaßen im Auge behalten.

- eine qualifizierte Vorbereitung unserer Schüler*innen auf eine (in vielen Bereichen) digitale Welt, ohne diese zu verabsolutieren oder unkritisch zu hinterfragen.

- eine kritische Erörterung und bestmögliche Begrenzung von Auswirkungen (Digitaler) Medien auf physische und psychische Schädigungen und Krankheiten von Personen jeden Alters.

- Elterngespräche zwischen Eltern und Lehrer*innen, in denen das jeweilige Mediennutzungsverhalten eines Kindes offen und ehrlich angesprochen und als ein beeinflussender Faktor unter vielen (positiv wie negativ) von Lernen reflektiert wird.

 

Zu letztem Punkt einige wenige überspitzte Beispiele, die im gemeinsamen Gespräch/ bei einem gleichberechtigten Austausch auftauchen könnten:

- Ja, vier Stunden Fernseher, Konsole und Youtube-Videos überschreiten tägliche Nutzungszeiten (deutlich) und sollten eingeschränkt werden!

- Ja, Smartphone, Tablet oder PC können in Verbund mit passenden Lernprogrammen sehr gut als motivierendes Lerninstrument eingesetzt werden!

- Ja, Smartphone, Tablet und PC haben im Vergleich zu traditionellen Medien deutliche Vorteile, aber auch gewisse, schwerwiegende Nachteile.

- Halten Sie einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer für sinnvoll/ wichtig?

- Ja, einige Kinder lernen von kindgerechten Wissenssendungen im Fernsehen (sehr) viel!

- Kinder sollten sich viel/ mehr (körperlich) bewegen. Vielleicht gibt es ja einen Sport, den es aktiv und gerne in einem Verein treiben könnte?

- …

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Quellennachweis:

(1) https://www.mpfs.de/startseite/

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