SONSTIGE/ (UMERZOGENE) LINKSHÄNDIGKEIT

Bin ich mit meiner Lernschwierigkeit/ meinem Schulproblem hier richtig?

- „Sie stößt beim Schreiben ständig mit dem Ellenbogen ihrer Sitznachbarin zusammen.“

- „Er kann gar nicht mit der Schere gerade schneiden.“

- „Mein Kind verwischt beim Schreiben mit Füller oder Kugelschreiber das Geschriebene ständig mit der eigenen Hand.“

- „In der Familie (im Kindergarten, in der Schule, im Sportverein etc.) wird versucht aus ihr eine Rechtshänderin zu machen.“

Tipps der Lernnavigatoren

Weitere Informationen zum Thema:

Etwa 10-15 Prozent der Bevölkerung sind Linkshänder*innen.

Diese Menschen sehen ihre linke Hand bewusst oder unbewusst als dominante, bevorzugte Hand an und verwenden diese folglich immer oder zumindest primär bei entsprechend zu wählenden Tätigkeiten: schreiben, schneiden, malen, die Schlägerhand beim Sport, die Führungshand eines Musikinstrumentes etc. (vgl. 1)

 

Linkshändigkeit ist im schulischen Alltag an mancherlei Stelle mit Herausforderungen, partiell auch Schwierigkeiten verbunden.

Zum einen müssen Linkshänder*innen immer wieder Erläuterungen zu gewissen Bewegungsabläufen in ihr eigenes System „übersetzen“, zum anderen waren und sind gewisse Materialien oft nicht auf natürliche Bedürfnisse und Erleichterungen für Linkshänder*innen ausgelegt.

 

Sowohl in der allgemeinen und schulischen Sensibilisierung als auch in der Bereitstellung angepasster, optimierter Materialien hat sich in den letzten Jahrzehnten unglaublich viel für Linkshänder*innen getan.

Folglich sollten Eltern und vor allem pädagogisches Personal inzwischen EIGENTLICH auf linkshändige Kinder bzw. Schüler*innen vorbereitet und eingestellt sein; darüber hinaus stellen Internetseiten unerschöpfliche Quellen an Informationen und ferner käuflichen Schul- und Alltagsmaterialien zur Verfügung.

Nichtsdestotrotz erleben wir, dass im (außer)schulischen Alltag immer noch offene Fragen und Überforderung herrschen sowie teilweise krasseste Fehler fabriziert werden, welche die schulische Karriere und/ oder –ohne Übertreibung- das weitere Leben eines Kindes negativ beeinflussen können.

 

Von einem solch krassen Fehler oder sogar Missbrauch kann man sprechen, wenn Kinder selbst heutzutage noch genötigt werden, eine angeborene Linkshändigkeit zugunsten einer erwünschten Rechtshändigkeit aufzugeben.

Bei dieser erzwungenen Umstellung spricht man von umerzogener Linkshändigkeit.

Bis in die letzten Jahrzehnte hinein war es gängige Praxis eine angeborene Linkshändigkeit mittels Druck, erzwungenen Bewegungskorrekturen und untersagtem Umgreifen hin zu einer Rechtshändigkeit umzuerziehen, Schüler*innen quasi zu uniformieren.

 

Erst die Einbeziehung von neurowissenschaftlichen Untersuchungen und hierbei speziell die Nutzung von bildgebenden Verfahren (MRT) unserer Gehirne konnten negative Einflüsse der umerzogenen Linkshändigkeit tatsächlich belegen.

Inwieweit Menschen hiervon betroffen sind, was genau dies für ihr Leben und Lernen bedeutet, ob eine Rück-Umerziehung möglich und sinnvoll ist – all dies sind Forschungsgegenstände, welche die Zukunft von Linkshänder*innen erleichtern und schädliche Umerziehungsmaßnahmen weiter stark eindämmen sollten.

 

Es sollte an dieser Stelle noch darauf verwiesen werden, dass neben der umerzogenen Linkshändigkeit ein weiteres Phänomen auftreten kann, welches Linkshänder*innen gleichfalls in ihrer Entwicklung negativ beeinflussen kann.

Neben der beabsichtigten Umerziehung kann es zu dem Phänomen kommen, dass eine Linkshändigkeit von Eltern nicht bewusst, sondern unbewusst vermieden wird. In diesem Fall wird Linkshändigkeit nicht aktiv „bekämpft“, sondern durch entsprechendes Verhalten vom betroffenen Kind ferngehalten. Eine vermutete Rechtshändigkeit wird wie selbstverständlich aktiv unterstützt.

Anders ausgedrückt: Die Linkshändigkeit des Kindes wird schlichtweg nicht erkannt.

Der Effekt ist der gleiche: Das betroffene Kind nutzt fortan primär die undominante Hand.

Die Folgen sind mit denen der umerzogenen Linkshändigkeit praktisch identisch.

 

 

Fassen wir einige Punkte kurz zusammen:

 

- Ein Umerziehen von Linkshändigen ist schädlich, nahezu kriminell und muss in Familie, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen strengstens untersagt werden!

- Ein Nichterkennen der Linkshändigkeit muss vermieden werden!

- Pädagogisches Personal und Eltern zugleich müssen für die Besonderheiten im Umgang mit Linkshänder*innen sensibilisiert, beraten und geschult werden!

- Pädagogisches Personal und Eltern sollten Linkshänder*innen Materialien und Ideen anbieten, um ihnen den Zugang zu gewissen Handlungsschritten, Bewegungsabläufen, aber auch Kulturtechniken (z.B. Schreiben) zu erleichtern.

 

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Quellennachweis:

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Linkshänder

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