SONSTIGE/ UNTER- ODER ÜBERFORDERUNG

Bin ich mit meiner Lernschwierigkeit/ meinem Schulproblem hier richtig?

- „Das war heute viel zu schwer... Deprimierend!“

- „Das war heute viel zu leicht... Langweilig!“

- „Das war heute genau richtig für mich – nicht zu leicht, nicht zu schwer.“

- „Ich habe beim Arbeiten total die Zeit vergessen.“

- „Wie soll ich es allen Kindern meiner Klasse Recht machen?“

 

- „Ich weiß beim Lernen gar nicht, wo genau ich ansetzen soll.“

Tipps der Lernnavigatoren

Weitere Informationen zum Thema:

Die nachfolgenden Ausführungen richten sich –wie all unsere Angebote- an Eltern und Lehrer*innen gleichermaßen.

Sie beschreiben ein überaus bedeutsames Herzstück im Bereich des Lernens, ein herausragendes Unterrichtsprinzip sowie gleichzeitig eine Binsenweisheit, die man in- und außerhalb von pädagogischen Institutionen jedoch allzu schnell aus den Augen verlieren kann.

 

 

Ein Beispiel:

Stellen wir uns eine klassische Grundschulklasse vor. 25 Schüler*innen. Heterogene Lerngruppe. Unterschiedlichste Interessen. Verschiedene Nationalitäten. Diverse Lerntypen. Und so weiter.

Mathematik. 2. Klasse. Thema: Addition/ Plusrechnen im Hunderterraum

Die Lehrerin/ der Lehrer führt in den neuen Lerngegenstand ein, im Anschluss daran ist eine Einzelarbeitsphase (Rechenbuch, Seite 43) geplant.

 

Es ist davon auszugehen, dass

- einige Schüler*innen bereits mit der Einführung der Lehrperson überfordert sein dürften, da sie erhebliche Lernlücken im Bereich des Plusrechnens „noch aus der 1. Klasse“ aufweisen.

- einige Schüler*innen im Allgemeinen gut folgen können, nur vielleicht bei einigen Punkten noch offene Fragen haben.

- einige Schüler*innen gänzlich unterfordert sind, da sie die Grundrechenarten im Zahlenraum bis 100 (und stellenweise bereits darüber hinaus) bereits mehr oder weniger sicher beherrschen.

- dass Schüler*innen in der Phase der Einzelarbeit entweder (stark) überfordert, (stark) unterfordert oder aber auf einem Niveau arbeiten, das mehr oder weniger exakt ihrem Leistungspotential entspricht.

 

Die Vermutung, welche Schüler*innen heute wahrscheinlich eine schöne, angenehme Mathematikstunde verbringen werden, dürfte einfach zu beantworten sein. (Wobei hier auch immer wieder überraschende, unvermutete Äußerungen getroffen werden, die eng mit anderen Personen und individuellen Stimmungen/ „Tagesformen“ zusammenhängen.)

 

Ähnlich einfach oder gar noch einfacher dürfte die Antwort auf die Frage ausfallen, welche Schüler*innen in der heutigen Mathematikstunde etwas gelernt haben:

- Die (gänzlich) überforderten Schüler*innen, die spätestens in der Einzelarbeitsphase deutlich ihre Grenzen aufgezeigt bekommen haben?

- Die (gänzlich) unterforderten Schüler*innen, für die der heutige Stoff nicht ansatzweise etwas Neues/ Unbekanntes/ Reizvolles darstellte?

- Oder die Schüler*innen, die mehr oder weniger genau auf dem Niveau des Lernstoffes gearbeitet haben, der ihrem individuellen Können entsprach, und die hart erarbeiteten, aber immer MÖGLICHEN Belohungen in Form von richtigen Lösungen begegneten?

„Kinder da abholen, wo sie stehen.“, „Individualisierung“, „Passgenaue Angebote“, „Differenzierung“ etc. – all das sind vermeintlich gängige, entscheidende Unterrichtsprinzipien, die allerdings im schulischen Alltag oftmals nicht (oder nicht in ausreichendem Maße) berücksichtigt werden (können).

Das kleine Beispiel oben soll Lehrer*innen den Sachverhalt jedoch immer wieder verdeutlichen und sie zugleich jeden einzelnen Tag anspornen Unterricht so zu gestalten, dass (möglichst) alle Schüler*innen von ihm tatsächlich profitieren.

In universitärer Ausbildung und Referendariat werden Lehrer*innen hierfür (hoffentlich) optimal vorbereitet.

Von einem Flow, dem als beglückend erlebte[n] Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung (Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit („Absorption“), die wie von selbst vor sich geht – auf Deutsch in etwa Schaffens- bzw. Tätigkeitsrausch oder auch Funktionslust (vgl. 1) ist bei einem Lerngegenstand wie der Addition im Hunderterraum vielleicht nicht unbedingt auszugehen.

 

Nachfolgende Zeichnung soll diesen Zustand, welcher aufgrund der Ausschüttung körpereigener Botenstoffe, die grob gesagt mit den Attributen „glücklich machend“ und „süchtig machend“ belegt werden können, als äußerst reizvoll und zeitgefühlslos erlebt wird, verdeutlichen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da der Weg aber bekanntlich das Ziel ist, soll das Ermöglichen von Flow-Erlebnissen in pädagogischen Kontexten immer als Optimum angesehen werden, für das Lehrer*innen mit ihren Unterrichtsvorbereitungen mit verantwortlich sind.

 

 

Auch viele Eltern dürften diese Information als bedeutsam einschätzen.

Ein Üben, ein Lernen im häuslichen Umfeld dürfte –unabhängig vom Lerngegenstand- mehrheitlich dann erfolgreich sein und positiv verlaufen, wenn sich das Kind (heraus)gefordert, aber nicht unterfordert und schon gar nicht überfordert sieht.

Vielleicht macht es eine gewisse Zeit Spaß im Rahmen einer Unterforderung zu zeigen, wie schnell und toll und richtig man arbeiten kann; auf Dauer dürfte dieses Level an Herauforderung hingegen eher ermüdend wirken.

 

 

Ziel ist es folglich für Eltern und Lehrer*innen gleichermaßen Schüler*innen und Schüler auf ihrem jeweiligen Leistungsstand abzuholen und ihnen Aufgaben und Herausforderungen möglichst mittig im Bereich zwischen Unter- und Überforderung anzubieten.

 

Dass dies für Lehrer*innen in der o.a. Beispielklasse als ähnliche Herausforderung gesehen werden dürfte wie für Eltern, die ihr Kind auf eine schwierige, weit vom tatsächlichen Können des Kindes entfernte Klassenarbeit vorbereiten (müssen), liegt auf der Hand.

Trotzdem soll die Absicht, das stetige Streben danach abschließend nochmals betont werden.

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Quellennachweis:

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Flow_(Psychologie)

(2) Dieses unverändert übernommene Diagramm von C. Löser wurde gefunden bei: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Flow.svg.

Abbildung: vgl. 2

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